Achtung Tierhändler


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Frau verkauft kranke Katzen

Tierschutz, Veterinäramt und Polizei retten in gemeinsamer Aktion Tiere

 

Von Ines Speck

Dachau – Eine Frau bietet auf einer Verkaufsplattform im Internet kranke Kätzchen an. Diese Geschäfte wurden nun in einer gemeinsamen Aktion von Tierschutz, Dachauer Veterinäramt und Polizei aufgedeckt. Mehrere Samtpfoten wurden in tierärztliche Behandlung gebracht. Das geht aus einer Pressemitteilung des Landratsamts Dachau hervor.

Darin wird die Geschichte so erzählt: Mitglieder des Bundes für Katzenfreunde München entdeckten auf Ebay eine Anzeige, laut der jemand ein kleines Kätzchen gefunden hat und dieses für 80 Euro verkaufen möchte. Der Preis wurde dann auf 40 Euro „reduziert“. Um die Fellnase zu retten, entschlossen sich die Katzenfreunde, das Tier zu kaufen. Das sei Ende Juni gewesen, sagte die Vorsitzende des Tierschutzvereins Dachau, Silvia Gruber, der AICHACHER ZEITUNG auf Nachfrage. Als Übergabeort wurde von der Verkäuferin ein Parkplatz vorgeschlagen, Treffpunkt um ein Uhr nachts. Nachdem die Verkäuferin zu dieser Verabredung nicht erschienen ist, wurde ein neuer Termin vereinbart. Wieder wurde ein Parkplatz vorgeschlagen. Diesmal erschien die Verkäuferin, stieg aber nicht aus ihrem Wagen aus, sondern wollte erst das Geld und überreichte dann ein schwerkrankes Katzenkind durch das Fenster.

Schon am nächsten Tag sei wieder eine Anzeige auf Ebay entdeckt worden, in der zwei Katzenkinder für je 120 Euro angeboten wurden. Da keimte der Verdacht auf, dass hier gewerblicher Tierhandel vorliegen könnte, vor allem, da das Foto der zwei Katzen relativ schnell wieder durch andere Fotos von anderen Katzen ersetzt wurde. Silvia Gruber ist der Meinung, die zwei Mietzen seien verkauft, weitere Tiere dann zum Verkauf inseriert worden.

Da der erste Übergabeort im Landkreis Dachau lag, wandte sich der Katzenschutzbund an den Tierschutzverein Dachau, bat um Unterstützung und fragte nach, ob die Verkäuferin eventuell bekannt sei. „Das ist sie“, sagte Silvia Gruber unserer Zeitung. Die Dame habe schon unzählige Hamster, aber auch Hunde und Katzen verkauft.

Die Vorsitzende des Dachauer Tierschutzvereins kontaktierte nach dem Anruf aus München das Veterinäramt Dachau und bekam von dort sofort Hilfe zugesagt. Die Behörde stellte den Kontakt mit der Polizei Dachau her.

Zwei vorgeschobene Tierinteressenten aus den Reihen der Münchner Katzenfreunde stellten sich zur Verfügung. Einer wollte zwei Katzen übernehmen, der andere drei. Übergabezeit und -ort wurden relativ kurzfristig von der Verkäuferin mitgeteilt, und zeitlich aufeinanderfolgend terminiert.

Am Übergabeort, erneut ein Parkplatz, warteten mit den angeblichen Kaufinteressenten auch Polizisten in Zivil und zwei Mitglieder des Tierschutzvereins Dachau. Nach dem Eintreffen der Verkäuferin sei alles sehr schnell gegangen. Im Inneren eines Transporters wurden sechs Katzenkinder gefunden und der Obhut des Tierheims Dachau übergeben. Es wird angenommen, dass die sechs Samtpfoten aus drei verschiedenen Würfen stammen. Das kleinste Katzenkind wog gerade einmal 470 Gramm und ist zudem viel zu früh von der Mutter getrennt worden, schildert mit Bedauern in der Stimme Silvia Gruber am Telefon. Alle Katzen waren laut Pressemitteilung „extrem verfloht, hatten Durchfall und wirkten krank“. Gruber bestätigt: „Die waren augenscheinlich krank“, hatten nicht zu übersehenden Durchfall. Nach der tierärztlichen Untersuchung und Kotproben stand fest, dass die Tiere unter anderem an massivem Wurmbefall leiden. Das Schlimmste aber sei, dass alle positiv auf Katzenseuche getestet wurden, heißt es in der Pressemitteilung aus dem Landratsamt Dachau. Die Katzenseuche gilt als eine schwere, sehr ansteckende Virusinfektion.

Die Vierbeiner benötigten nun viel Pflege, Infusionen und einige Medikamente. Der Zustand einer Katze habe sich so verschlechtert, dass sie in eine Tierklinik gebracht werden musste.

Die in diesem Fall zu einem Preis von je 120 Euro angebotenen Tiere waren weder entwurmt, gegen Parasiten behandelt noch geimpft oder gechipt. Aufgrund der schweren Erkrankung sei nicht mal sicher, ob sie überleben werden. Gruber schätzt, dass die Verkäuferin mit den Kätzchen in nur einer Woche 800 bis 900 Euro verdient hätte. Wenn alles nach ihrem Plan gelaufen wäre.

Da hier möglicherweise gewerblicher Handel vorliegt, für den der Verkäufer eine entsprechende gesetzlich vorgeschriebene Erlaubnis braucht, sei das beschriebene Vorgehen strafbar. Entsprechende Ermittlungen würden laufen, sagte Gruber. Bei sichtbar kranken Tieren hätte sich die Verkäuferin auch dringend an einen Tierarzt wenden müssen.

Informationen zu den Ermittlungen gab es gestern von der Dachauer Polizei bis Redaktionsschluss keine.  

n Die Dachauer Tierschutzvereinsvorsitzende und auch das Landratsamt bitten in diesem Zusammenhang, bei Internet-Kleinanzeigen, in denen Tiere zum Kauf angeboten werden, immer darauf zu achten, ob die Tiere und auch ihre Eltern beim Verkäufer anzuschauen sind. Es wird davon abgeraten, aus Mitleid Tiere zu kaufen, die auf einem Parkplatz oder ähnlichem übergeben werden. Damit würden die Käufer eher die Verkäufer unterstützen, die damit schnelles Geld machten.

Die Kätzchen benötigten viel Pflege, Infusionen und einige Medikamente. Nicht bei allen ist klar, ob sie durchkommen.            Foto: Tierschutz Dachau

Quelle: Aichacher Zeitung